Veranstaltungen 2017

21. Februar 2017 (Dienstag)
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Vortragsreihe: „Mathe und Macht. Neue weibliche Rollenmodelle in einem modernen Islam“

Auftaktveranstaltung: Muhterem Aras, Präsidentin des Landtages von Baden-Württemberg

v.l.n.r.: Muhterem Aras, Präsidentin des Landtages BaWü; Prof. Dr. Angela Diehl-Becker, Gleichstellungsbeauftragte DHBW Karlsruhe (Foto: DHBW KA//DI)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mathe und Macht. Neue weibliche Rollenmodelle in einem modernen Islam“ der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe kam die Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Muhterem Aras, Anfang Oktober zum Start an die DHBW Karlsruhe und stand selbst als weibliches Rollenmodell für junge Muslima und westlich-christlich geprägte junge Frauen zur Verfügung.

Man muss auch scheitern können ohne aufzugeben
Sie berichtete  von ihrem eigenen Werdegang, ihrer außergewöhnlichen Karriere und ihren Erfahrungen als Managerin und Politikerin in einer der machtvollsten Positionen in Baden-Württemberg. In einem Dialog mit der Initiatorin der Reihe, Prof. Dr. Angela Diehl-Becker, Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Karlsruhe, stand sie Rede und Antwort.
Muhterem Aras wurde in der Türkei in Ostanatolien als Tochter alevitischer Kurden geboren und kam mit 12 Jahren mit ihren Eltern und Geschwistern nach Filderstadt. Nach einem Hauptschulabschluss und dem Abitur in Stuttgart studierte sie im Anschluss Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim. Beim ersten Versuch die Steuerberaterprüfung zu bestehen, fiel sie durch, aber: „Auch das gehört dazu, seinen Weg zu gehen: zu scheitern und nicht aufzugeben, sondern weiterzukämpfen.“ Ihr Mann und ihre Familie haben sie sehr unterstützt. Sie hatte zu dieser Zeit gerade ihr erstes Kind geboren.

Gelungene Integration
Sie wird immer wieder gefragt, wie es ihr gelang, dass sie sich als Migrantin so gut in Deutschland integrieren konnte. Integration ist für sie nicht gleichbedeutend mit Assimilation, sondern vollkommene Teilhabe, ein Gefühl des Angekommen seins, sich heimisch zu fühlen, ohne die Wurzeln abbrechen zu müssen. „Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ist das eine große Leistung“, meinte Professorin Diehl-Becker. Denn gerade Kinder, die bereits eine Zeit lang in ihrem Herkunftsland aufgewachsen sind, fällt es schwer ihre Identität zu finden. Muhterem Aras glaubt, dass ihre Eltern sie da sehr unterstützt hätten, ihnen sei es wichtig gewesen, dass sie studiert und das in Deutschland. Außerdem kam ihr zu Gute, dass sie als „Sandwichkind“ mit vier Geschwistern eine Kämpferin sein musste, um ihre Position zu finden und zu behaupten. Das half ihr auch mit den knallharten Regeln der Politik klarzukommen. „Man muss Mut haben, sich zu bewerben, wenn eine mächtige Position ausgeschrieben ist. Viele Frauen stellen in einem solchen Moment ihr Können und Wissen unter den Scheffel und meinen den Anforderungen einer solchen Stelle nicht gerecht werden zu können.“, stellte die Landtagspräsidentin fest. Diese Erfahrung passt zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Professorin Angela Diehl-Becker einbrachte. Frauen leiden an einer erlernten Hilflosigkeit. Sie sehen die gläserne Decke und können diese aber nicht überwinden. Das ist wohl auch mit ein Grund, dass so wenig Frauen in Führungspositionen vertreten sind. Muhterem Aras möchte allen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund Mut machen, die gläserne Decke zu durchbrechen und ihr Licht auf einen Leuchter zu stellen.

Spannende Diskussion am Schluss
Es war ein anregender Nachmittag. An den Dialog von Muhterem Aras und Prof. Dr. Angela Diehl-Becker entspannte sich eine engagierte Diskussion, zwischen den Gästen unter denen sich auch der Landtagsabgeordnete des Kreises Karlsruhe, Alexander Salomon und der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Professor Arno van Zyl (PhD) befanden, in der Themen, wie islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache in Schulen und Moscheen und verbesserte Kinderbetreuung durch mehr Kitaplätze und Ganztagsschulen besprochen wurden.

Als Dank dafür, dass die vielbeschäftige Landtagspräsidentin die Veranstaltungsreihe „Mathe und Macht. Neue weibliche Rollenmodelle in einem modernen Islam“  eröffnet hat, überreichte Professorin Diehl-Becker ihr eine riesige süße Überraschung.

 

 

Hintergrund der Vortragsreihe:
In Marokko z.B. entscheiden sich 51 % der jungen Frauen für ein technisches Studium, im Iran sind die weiblichen Studierenden sogar insgesamt in der Überzahl. In Deutschland liegt der Anteil der Studienanfängerinnen offiziellen Statistiken zufolge bei 50 %, nur jede dritte junge Frau allerdings schreibt sich für ein Studium in einem MINT-Fach ein, in Baden-Württemberg ist der Trend stagnierend bis rückläufig.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden im Februar sieben Ministerinnen ernannt, eine 22 jährige Politikerin wurde Staatsministerin für Jugend, eine weitere Frau Staatsministerin für Toleranz.

Die Veranstaltungsreihe widmet sich dem Themenkreis „Mathe und Macht“ religionsübergreifend. Im Vordergrund stehen wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzungen und Diskussionen mit starken Frauen, die sowohl für muslimisch als auch westlich-christlich sozialisierte junge Frauen eine Vorbildrolle einnehmen können. Des Weiteren sollen grundlegende Diskussionen zu Feminismus und Gleichberechtigung sowie Frauenrollen im Islam mit renommierten Islam-Wissenschaftlerinnen geführt werden.

Ziele:
Die Vorträge wenden sich gleichermaßen an junge muslimische und westlich-christlich geprägte Frauen (und Männer). Beide Gruppen sollen dazu ermutigt werden, traditionelle Rollenmuster abzustreifen und selbstbestimmt den eigenen Weg zu gehen. Des Weiteren soll der gegenseitige Austausch gefördert und wechselseitige Lernprozesse unterstützt werden.

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg lädt sowohl muslimisch als auch westlich-christlich orientiert junge Frauen dazu ein, ein Studium insbesondere in einem MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) aufzunehmen.

Außerdem will die Hochschule eine religionsübergreifende Diskussion über das Phänomen „Macht“ von Frauen in Unternehmen und Politik anstoßen. Der Gleichstellungsbeauftragten der DHBW Karlsruhe Prof. Dr. Angela Diehl-Becker ist es gelungen, dazu namhafte Referentinnen aus Politik und Wissenschaft (1. Zyklus) und Wirtschaft (2. Zyklus 2017) zu gewinnen.

Weitere Termine im 1. Zyklus:

09.12.2016, „Feminismus und Gleichberechtigung im Islam“, Dr. Kathrin Klausing, Universität Osnabrück

20.01.2017, „Weibliche Rollenmodelle in der Geschichte des Islam“, Simone Trägner-Uygun (M.A.), Eberhard Karls Universität Tübingen

"Mathe und Macht. Neue weibliche Rollenmodelle in einem modernen Islam" ist ein Projekt der Gleichstellungsarbeit an der DHBW und wird aus dem Professorinnen-Programm II gefördert.

(Text und Fotos: DI)